libhtm_comboxsqltab Z402 Ragnatsch, Sargans, Sargans, Pendelbahn
Ort, KantonSargans, SG
Koord. Talstation748.490/215.310 ; 480 m.ü.M
Koord. Bergstation750.475/217.230 ; 1730 m.ü.M
EinstufungRegional
Besuch06.07.2009 eb
Inventar21.11.2010 pb

BetreiberinInteressengemeinschaft in Gründung
HerstellerOehler/Garaventa

Baujahr1941
Erstinbetriebsetzung1941
Umbauten1980
Bergstation

Situation

Beschreibung der Anlage

Die Hochebene Palfries (Gemeinde Wartau) ist Teil der Festung Sargans, die ab 1938 und vor allem während des Zweiten Weltkriegs zur Sicherung des Rheintals errichtet wurde. Dieses ursprünglich nur von Oberschan aus zugängliche Gebiet wird seit 1941 durch eine Pendelbahn von Ragnatsch (Gemeinde Mels) her erschlossen. Wie so viele militärische Seilbahnen der Schweiz wurde auch diese Bahn, die für die Kriegsnotversorgung der Reduit-Nordfront-Truppen (Infanterie) gebaut worden ist, von der Firma Oehler in Aarau erstellt.
Die Bahn führt aus dem Seeztal zuerst dem Ragnatscher Bach folgend und dann einen Taleinschnitt dieses Bachs zwischen dem Glättli und dem Tschugga Wald querend zum Tschuggene Säss auf dem Palfries. Die Streckenlänge von 3'045 m wird mit Hilfe von neun T-Stützen aus Stahl-Fachwerk bewältigt.
Die Talstation steht in Ragnatsch in der Ebene des Seeztals neben einem Landwirtschaftbetrieb. Es handelt sich um einen schlichten braungrün gefassten Betonbau unter Pultdach. Die Bergstation ist ebenfalls ein Betonbaukörper unter Flachdach, der bergseitig in den Hang hinein gebaut ist. Das Tragseil-Spannsystem befindet sich in der Talstation, während das Spannsystem für das Zugseil in der Bergstation zu finden ist. Das Spanngewicht ist in einem Turm vor der Bergstation untergebracht.
Beim 1980 erfolgten Umbau der Bahn durch die Firma Garaventa erhielt die Bahn zwei neue Laufwerke und Gehänge, die je mit einer zehnplätzigen Kabine der Firma Gangloff bestückt wurden. Gleichzeitig wurden alle Rollenbatterien ausgewechselt und auch die gesamte Antriebsgruppe (Motor, Getriebe und Bremsen) in der Talstation ersetzt. Daneben wurde die elektronische Einrichtung (Steuerung und Fernüberwachung) ausgetauscht.
Trotz dieser Nachrüstung wurde der Betrieb dieser Seilbahn nach der Ausserdienststellung der Festung Palfries 1998 eingestellt. Seither versucht eine Genossenschaft die Seilbahn für zivile, touristische Zwecke wieder in Betrieb zu nehmen.


Gesamtwürdigung

Die bezüglich Linienführung, Stützen und Stationsbauten aus der Erstellungszeit 1941 stammende Pendelbahn wurde 1980 durch Garaventa erneuert. Die als Versorgungsbahn zu einer militärischen Festung entstandene Bahn verfügt noch über zahlreiche Bestandteile der ursprünglichen Oehler-Anlage. Die vom Militär erstellte und von diesem nicht mehr gebrauchte Seilbahn hat eine ungewisse Zukunft. Eine Genossenschaft setzt sich dafür ein, dass die Bahn weiter bestehen bleibt und künftig als touristische Attraktion genutzt werden kann.


Bewertung

Konzeption
Erschliessungsidee (Vision)hochElement der Festung Sargans (Festungsbrigade 13); Erschliessung der Alp Palfries am Übergang zum Rheintal (Gemeinde Wartau)
Linienführung: Planung, Umsetzungsehr hochlange, direkte Linie mit einer eindrücklichen Höhenüberwindung: von der Schwemmebene der Seez (Seeztal), im unteren Teil dem Ragnatscher Bach folgend, diesen in seinem Tälchen zwischen dem Glätti u. dem Tschugga Wald überquerend zum Tschuggene Säss auf dem Palfries führend
Seilbahntechnik
besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialienhochzweispurige Pendelbahn mit einem Trag- u. einem Zugseil/Spur für Personen- u. Materialtransport; Antrieb in Talstation; Gewichtsabspannung in Tal- u. Bergstation; Fachwerkstützen
seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Herstellersehr hochVertreter einer in Zusammenhang mit dem Ausbau der Zentralstellung (Reduit) errichteten festen Versorgungsbahnen mit interessantem Grundbestand der Firma Oehler in Aarau, die für die Schweizer Armee zahlreiche Anlagen realisieren konnte; typischer Oehler-Bausatz
Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten
Ingenieurbau--
Architekturdurchschnittlicheinfache, aber zweckmässige Schutzbauten für die Stationseinrichtungen
besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, MaterialienhochTalstation: braungrün gefasster Betonbaukörper unter Pultdach; Bergstation: heller Betonbaukörper unter Pultdach u. bergseitig in den Hang hinein gebaut (militärisch genutzte Kaverne)
bautypologische Bedeutungsehr hochdie Stationsgebäude einschliesslich der Stationseinrichtungen sind integraler Bestandteil der ersten Bauetappe von 1941 u. zählen aufgrund ihres Alters u. militärischen Hintergrunds zu den wichtigsten Anlagekomponenten
Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung
Umfang und Qualität der ursprünglichen KomponentendurchschnittlichLinienführung, Stützen u. Stationseinrichtungen bzw. -gebäude aus der ursprünglichen Erstellungszeit 1941
Qualität der Nachrüstungenhochein Grossteil der Komponenten wurde 1980 durch Garaventa ersetzt (Antrieb, Bremswerk, Fahrbetriebsmittel); gepflegte Anlage
funktionale Unversehrtheit-1998 Betrieb eingestellt
Kulturgeschichte
Personen, Firmen, InstitutionenhochAlfred Oehler als DER Spezialist für militärischen Seilbahnbau
Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militärhochin Zusammenhang mit der Festung Sargans (entstanden ab 1936 u. insbesondere während des Zweiten Weltkriegs)
Räumliche Situation
Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. KontextshochTalstation in unmittelbarer Umgebung eines Landwirtschaftsbetriebs; Bergstation an u. in den Berg gebaut ; Tarnfarben: aufgrund des militärischen Ziels, so wenig wie möglich aufzufallen, in Bezug auf die Sichtbarkeit vergleichsweise diskret
Infrastruktur
touristische/betriebliche InfrastrukturhochWanderwege, Berggasthäuser
Verkehrsnetzesehr hochAutobahn A3; SBB-Linie Zürich-Chur; Hauptstrasse Flums-Sargans; zu Bergstation umständliche Bergstrasse von der Rheintaler Seite her

Anhang 1: Technische Daten

Strecke

Fotos
BetriebszweckTouristisch, Militärische Erschliessung
Streckenlänge (schief)3045 m
Höhendifferenz1250 m
Längstes Seilfeld (schief)1018 m
Grösster Bodenabstand190 m
Neigung Maximal; Mittelwert960 o/oo; 454 o/oo
Spurweite (auf Stützen)5000 mm
Anzahl StützenFotos9
Stützenbautechnik; StützenformStahl Fachwerk; T-Stütze
Stützen Hersteller1941; Oehler

Hochbauten

Talstation Name; KonstruktionFotos1941; Ragnatsch; Massiv (Beton/Mauerwerk)
Bergstation Name; KonstruktionFotos1941; Palfries; Massiv (Beton/Mauerwerk)

Seile

TragseiltypVollverschlossen
Tragseil Anzahl pro Spur; Durchmesser1; 30 mm
Zugseil Anzahl; Durchmesser1; 21 mm
Gegenseil Anzahl; Durchmesser1; 21 mm
Tragseil Spannseil Anzahl; Durchmesser2; 36 mm

Antrieb

Fotos
Antrieb Ortin Talstation
Motor HerstellerFotos1980; Schindler
Antriebstyp; MotorleistungGleichstrom Ward Leonard WL; 110 kW
Getriebe HerstellerFotos1980; Kissling
Notantrieb für RäumungHydraulisch mit Verbrennungsmotor

Bremsen

BetriebsbremseFotos1980; Trommelbremse
SicherheitsbremseFotos1980; Scheibenbremsen
FangbremsenKeine Fangbremse

Mechanische Einrichtungen

Tragseil-SpannsystemFotosGewicht Talstation
Zugseil-SpannsystemFotosGewicht Bergstation

Elektrotechnische Einrichtungen

Steuerung HerstellerFotos1980; Frey AG
Kopierwerk1980; Mechanisch
Fernüberwachungsanlage Hersteller1980; Frey AG
FahrregimeHandsteuerung
Kommunikations SystemTelefon

Fahrbetriebsmittel

Fotos
Anzahl2
Plätze / Fahrzeug10
Nutzlast; Fahrbetriebsmittel Leergewicht1000 kg; 390 kg
Kabinen HerstellerFotos1980; Gangloff Bern
Kabinen Länge; Breite; Höhe2000 mm; 1300 mm; 2000 mm
Automatische Türennein
Gehänge Hersteller; GehängetypFotos1980; Garaventa; Kastenprofil
Laufwerk HerstellerFotos1980; Garaventa
ZugseilbefestigungFotosKlemmkopf

Förderleistung

Fahrgeschwindigkeit max.; Fahrzeit5 m/s; 11 Min.
Personenleistung50 Personen/h
Notwendiges Betriebspersonal2 Pers.

Anhang 2: Apparat

Bundesinventare
-BLNObjekt-Nr. 1613: Speer-Churfirsten-Alvier
-IVS (national)SG 1.3: (Zürich-) Walenstadt/Hafen-Sargans-Mels (-Chur); Staatsstrasse
andere Inventare
-Inventar der Kampf- und FührungsbautenFestung Sargans
Archive
-Staatsarchiv des Kantons St.Gallen: A 017/22 Seilbahn Ragnatsch-Palfries, Festungskommando Sargans, Mels, Wartau
Literatur
-Gabathuler, Walter: Festung Sargans 1944. Sargans West, hrsg. von Artillerie Fort Magletsch-Verein, Oberschan: 2007
-Version vom 02.08.2010, URL: http://www.sarganserland-walensee.ch/
e-docs
-http://www.seilbahn-palfries.ch/web/basis.html  
-http://videoportal.sf.tv/video?id=d97563d6-a551-4f28-a922-f24139c4b399  

Anhang 3: Jahrzahlen der Komponenten

Jahre Graphik

Anhang 4: Relationen

HerstellerOehlerOehler & Co., Eisenwerke
HerstellerGaraventaGaraventa

Anhang 5: Bildauswahl

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