libhtm_comboxsqltab TI-CM-1 Camorino - Croveggia, Camorino, Einseilpendelbahn
Ort, KantonCamorino, TI
Koord. Talstation721.325/113.508 ; 310 m.ü.M
Koord. Bergstation722.370/112.853 ; 920 m.ü.M
EinstufungNational
Besuch21.09.2009 eb
Inventar23.11.2010 zk

BetreiberinConsorzio teleferica Monte di Croveggia
HerstellerGuido Meyer

Baujahr1969
Erstinbetriebsetzung1969
Umbauten
Kabine

Situation

Beschreibung der Anlage

Südlich von Bellinzona, wo das Valle Morobbia in die Magadino-Ebene mündet, liegt die Gemeinde Camorino. Das ehemalige Dorf, das einst mitten im Rebgebiet lag, ist heute Teil des Ballungsraumes Bellinzona und mit der Nachbarsgemeinde Giubiasco zusammen gewachsen. Südöstlich über dem Dorf Camorino befindet sich die Alp Croveggia, die im mittleren 20. Jahrhundert, wie zahlreiche andere Tessiner Alpen auch, zunehmend verwilderte. In den späten 1950er und frühen 1960er-Jahren wurde die Initiative ergriffen, die Alpen wieder zu bewirtschaften. Ab 1960, mit Unterstützung einer rudimentären, auf 100 kg Lastkraft ausgelegten Aufzugseinrichtung, wurden die Revitalisierungsbemühungen umgesetzt, die vernachlässigten Alphütten und die verwilderten Weiden wieder unterhalten und bewirtschaftet. Gegen die Einrichtung einer komfortableren, grösseren Bahn erhob sich erheblicher Widerstand, auch die Gemeinde opponierte gegen das Vorhaben. Nach wiederholten Anläufen wurde 1966 schliesslich vom Kanton ein gegenüber dem ursprünglichen Vorhaben redimensioniertes Bahnprojekt bewilligt. Die Widerstände und Problemstellungen, unter anderem die definitive Festlegung der Linienführung, konnten jedoch erst gegen Ende der 1960er-Jahre bereinigt werden. 1970 konnte endlich die auf die Alp Croveggio führende, von der mechanischen Werkstätte Guido Meyer in Bellinzona fabrizierte Kleinseilbahn dem Betrieb übergeben werden. Da die Alp Croveggia heute auch einen beliebten Ausgangspunkt für Wanderungen darstellt, wird die Bahn auch touristisch genutzt.
Die einspurige, an einem umlaufenden Seil verkehrende Pendelbahn setzt am Südostrand des Dorfes Camorino auf 310 m ü. M. an. Die gerade stützenlose Linie quert nach rund 200 m den unteren Teil des Valle Grande und erstreckt sich über 1'410 m in südöstlicher Richtung bis zur Alp Croveggia auf 920 m ü. M., wobei die Strecke grossmehrheitlich durch bewaldetes Gebiet führt. Das Gehänge aus Profilstahl bildet zusammen mit der vier Personen fassenden, im oberen Bereich ursprünglich offenen Kabine eine konstruktive Einheit. Das Laufwerk stellt eine Speziallösung dar und setzt sich aus zwei auf dem Rücklaufseil fahrenden Rollen, einem rund 1.5 m langen, als Distanzhalter zwischen Rücklauf- und Förderseil wirkenden Vierkantrohr und der Förderseilbefestigung zusammen. Die geniale Idee, beide Seile zum Tragen der Wanderlast einzusetzen, ermöglichte den Bau einer stützenlosen Anlage! Die Antriebsgruppe mit einem Getriebe, das mit einer Doppelkette direkt auf die Antriebsscheibe wirkt, ist in einem schlanken, kleinvolumigen Stationsgebäude unter Pultdach im Tal untergebracht. Die Bergstation der handgesteuerten Pendelbahn ist hingegen offen und als turmartige, filigrane Stahl-Fachwerkkonstruktion mit langer, schlanker Zustiegspasserelle ausgebildet.


Gesamtwürdigung

Guido Meyer (geb. 1923) führte in der Zeit von 1953 bis 1991 eine eigene mechanische Werkstätte in Bellinzona und beschäftigte mehrere Angestellte. In dieser Zeit baute er unter anderem mehrere Materialseilbahnen und später in Zusammenarbeit mit dem Churer Ingenieur Richard Coray auch gegen zehn Kleinseilbahnen und einige Schrägaufzüge für den Personentransport. Die einspurige Einseilpendelbahn von Camorino nach Croveggia, die Guido Meyer unter Mitwirkung von Richard Coray fabrizierte, ist eine einzigartige und geschickte Individuallösung des Tessiner Konstrukteurs, der in der Schweizer Seilbahnlandschaft nur marginal in Erscheinung tritt. Die integral überlieferte und aus seilbahntechnischer Sicht mit dem Baujahr 1969 bereits als alt zu bezeichnende Bergbahn dokumentiert zum einen die Vielfalt der Schweizer Seilbahntechnik und ist zum andern repräsentativ für soldie und feinste Seilbahnmechanik.


Bewertung

Konzeption
Erschliessungsidee (Vision)hochAlperschliessung; Waldbewirtschaftung; Revitalisierung der Alpnutzung; Ausgangsstation für Wanderungen
Linienführung: Planung, Umsetzungsehr hochvom südöstlichen Dorfrand zu Waldlichtung; grösstenteils durch Wald; stützenlos
Seilbahntechnik
besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialienherausragendgeniale Idee: stützenlose u. dadurch preisgünstige Anlage dank Einbezug des Rücklaufseiles zum Tragen der Wanderlast! schwerer Kettenantrieb u. Backenbremse mit einseitiger Backe von unten auf die Treibscheibe wirkend; kurzes Stahlprofilgehänge fest mit dem unteren Förderseil verbunden u. darüber weiteres Gehänge mit zweirolligem Laufwerk auf dem oberen Gegenseil fahrend
seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Herstellerherausragendinteressante, einspurige Einseilpendelbahn von Guido Meyer aus Bellinzona unter Mitwirkung des Churer Ingenieurs Richard Coray; Individuallösung eines Südschweizer Konstrukteurs, der nur marginal als Seilbahnhersteller in Erscheinung tritt
Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten
Ingenieurbausehr hochoffene Bergstation bei Stütze: formschönes, filigranes Ingenieurbauwerk
Architekturdurchschnittlichnur Talstation als Gebäude ausgebildet; Bergstation offen; sachliche unprätentiöse, wohlproportionierte Zweckarchitektur; Bergstation als Stützenbauwerk mit Ausstiegspasserelle
besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, MaterialiendurchschnittlichMassivbau unter Pultdach
bautypologische BedeutungherausragendHochbaute als wesentliche, aus der Anfangszeit stammende Anlagekomponente
Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung
Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponentenherausragendintegral erhalten
Qualität der Nachrüstungen--
funktionale Unversehrtheitherausragendsowohl als Zubringerbahn für die Alpbewirtschaftung als auch als Touristenbahn in Betrieb
Kulturgeschichte
Personen, Firmen, Institutionen--
Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militärsehr hochzentral für die Alp- u. Waldwirtschaft; attraktives Wandergebiet
Räumliche Situation
Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontextshochda stützenlos u. leichte respektive lichte Anlage relativ unauffällig in der Landschaft
Infrastruktur
touristische/betriebliche Infrastruktur--
Verkehrsnetzehochgut erschlossenes Dorf Camorino: Autobahnausfahrt Giubiasco-Camorino, Hauptstrasse, Eisenbahnhaltestelle

Anhang 1: Technische Daten

Strecke

BetriebszweckTouristisch, Private / Betriebs Erschliessung
Streckenlänge (schief)1410 m
Höhendifferenz639 m
Längstes Seilfeld (schief)1410 m
Grösster Bodenabstand25 m
Neigung Mittelwert510 o/oo
Anzahl Stützen0

Hochbauten

Talstation Name; KonstruktionFotos1969; Camorino; Massiv (Beton/Mauerwerk)
ArchitektGuido Meyer
Bergstation Name; KonstruktionFotos1969; Croveggia; Ohne Gebäude
ArchitektGuido Meyer

Seile

Förderseil Anzahl; Durchmesser1; 24 mm

Antrieb

Fotos
Antrieb Ortin Talstation
Motor HerstellerFotos1969; Landert
Antriebstyp; MotorleistungDrehstrom-Schleiffring-Läufermotor; 22 kW
Getriebe HerstellerFotos1969; Radicon
Notantrieb für RäumungDurch Schwerkraft

Bremsen

BetriebsbremseFotos1969; Trommelbremse
SicherheitsbremseFotos1969; Trommelbremse
FangbremsenKeine Fangbremse

Mechanische Einrichtungen

Förderseil SpannsystemFeste Abspannung

Elektrotechnische Einrichtungen

Steuerung HerstellerFotos1969; Bruno Winkler, Camorino
Kopierwerk1969; Mechanisch
Fernüberwachungsanlage Hersteller1969; Bruno Winkler, Camorino
FahrregimeHandsteuerung, Gesteuert im Kommandoraum
Kommunikations SystemTelefon, Funk, Video

Fahrbetriebsmittel

Fotos
Anzahl1
Plätze / Fahrzeug4
Nutzlast; Fahrbetriebsmittel Leergewicht400 kg; 400 kg
Kabinen HerstellerFotos1969; Guido Meyer
Kabinen Länge; Breite; Höhe1600 mm; 1100 mm; 2200 mm
Automatische Türennein
Gehänge Hersteller; GehängetypFotos1969; Guido Meyer; Profilstahl
Laufwerk Hersteller1969; Guido Meyer
ZugseilbefestigungFotosKlemmkopf

Förderleistung

Fahrgeschwindigkeit max.3.0 m/s

Anhang 2: Apparat

Archive
-IKSS Meiringen
Quellen
-Teleferica Camorino-Monti di Croveggia 20° 1970-1990, Typoskript, Camorino 1990
e-docs
-http://www.stahlseil.ch/gallery/main.php?g2_itemId=73538  
-http://www.teleferica-croveggia.ch/  

Anhang 3: Jahrzahlen der Komponenten

Jahre Graphik

Anhang 4: Relationen

HerstellerMeyerGuido Meyer

Anhang 5: Bildauswahl

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CIMG6847.JPG CIMG6848.JPG CIMG6857a.jpg
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