libhtm_comboxsqltab UR-SP-6 Witerschwanden - Eggenbergli, Spiringen, Pendelbahn
Ort, KantonSpiringen, UR
Koord. Talstation697.360/192.330 ; 776 m.ü.M
Koord. Bergstation696.125/191.674 ; 1352 m.ü.M
EinstufungRegional
Besuch01.09.2009 eb
Inventar23.11.2010 zk

BetreiberinSeilbahngenossenschaft Witerschwanden-Eggenbergli
HerstellerNiederberger NSD

Baujahr1953
Erstinbetriebsetzung1953
Umbauten1984
Kabine

Situation

Beschreibung der Anlage

Von den rund 55 im Innerschweizer Bergkanton Uri registrierten und bewilligten Pendelbahnen dient ein Grossteil der Erschliessung von Berggütern und Alpen. Heute werden diese Alperschliessungsbahnen vielfach auch touristisch genutzt. Die teils ganzjährig, teils temporär bewirtschafteten Landwirtschaftsbetriebe am Eggenbergli südlich über dem Schächental sind seit 1947 über eine Bergbahn zugänglich. Die Seilbahn bildet auch heute noch den Hauptzubringer. Die ursprüngliche, von Albert Planzer erstellte Bergbahn wurde 1953 durch eine neue Anlage der Dallenwiler Seilbahnfirma Niederberger ersetzt.
Der Ausgangspunkt der auf das 1'352 m ü. M. gelegene Eggenbergli führenden zweispurigen, ganzjährig betriebenen und im Pendelbetrieb verkehrenden Seilbahn befindet sich nordwestlich des Dorfes Spirigen im Weiler Witerschwanden, unterhalb der Hauptstrasse Bürglen-Unterschächen, am rechten Ufer des Schächen-Baches auf 776 m ü. M.. Entlang der 1'522 m langen, im unteren Abschnitt den Schächen-Bach und das bewaldete Tälchen des Wilerlibachs querenden Strecke stehen sechs, vergleichsweise leichte Stahl-Fachwerkportalstützen, wovon vier mit Aus- und Zusteigepodesten ausgestattet sind (Zwischenstationen). Die sechste Stütze wurde 1984 neu hinzugefügt, bedingt durch die Neuerstellung der Bergstation rund 20 m unterhalb der ersten Station; die übrigen fünf wurden im gleichen Jahr um 0.4 m erhöht. Die Seilbahn ist pro Seite mit einem rudimentären, von der Bevölkerung als "Niederberger-Schiffli" bezeichneten Fahrbetriebsmittel bestückt, das sich aus einem talseitigen offenen Barellen- und einem bergseitigen Kabinenteil mit Sitzbänken zusammensetzt. Die Fahrzeuge sind mit zwei Aufhängungen ausgestattet und fahren mit zweirolligen Laufwerken auf einem Tragseil. Dank der kurzen Doppelaufhängung weisen die Fahrzeuge eine vergleichsweise grosse Windstabilität auf. Die Antriebseinheit ist konventionell im Tal angeordnet; Trag- und Zugseile sind fest abgespannt. Die Stationsgebäude sind unauffällige Bauten, die in Anlehnung an die ortsüblichen landwirtschaftlichen Schopf- und Remisenbauten ausgeführt sind. Die Bahn fährt fahrgastgesteuert mit Jeton-Betrieb.


Gesamtwürdigung

Die Seilbahn Witerschwanden-Eggenbergli ist die erste und einzige Anlage der Dallenwiler Firma Niederberger, die in den Kantonen NW und UR zahlreiche Seilbahnen erstellt hat, die vier Zwischenstationen aufweist. Obwohl sie bis auf die Linienführung und einen Grossteil der Stützen 1984 umfassend erneuert wurde (unter anterem Antrieb, Bremswerk, Fahrbetriebsmittel, Steuerung) stellt sie nach wie vor ein interessantes Zeugnis schweizerischer Seilbahntechnik dar: Sie ist repräsentativ für die sehr stabilen und im Bereich Alperschliessung äussert zweckmässigen, urtümlich anmutenden "Schiffli-Bahnen" mit zwei Laufwerken und kurzen Aufhängungen, die über Jahrzehnte hinweg ohne nennenswerte System- und Formänderungen in der Innerschweizer Berglandschaft eingesetzt wurden.


Bewertung

Konzeption
Erschliessungsidee (Vision)hochErsatz für die 1947 durch Albert Planzer erstellte Seilbahn; Erschliessung von 17 Liegenschaften respektive von 12 (ganzjährigen u. temporären) Landwirtschaftsbetrieben an der Südflanke des Urner Schächentals; Grunderschliessung
Linienführung: Planung, Umsetzungsehr hochüber den Schächenbach u. über das bewaldete Tälchen des Wilerlibachs zum Landwirtschafts- u. Alpgebiet zwischen Wilerli u. Eggenbergli (Landwirtschafts- u. Weidgebiet mitten im Trudelinger Wald); zu grossen Teilen betriebsbedingte Linienführung; vier Stützenausstiege
Seilbahntechnik
besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialienhochzweispurige Pendelbahn; Antrieb konventionell im Tal; feste Trag- u. Zugseilabspannung; bekannte u. rudimentäre, als "Niederberger-Schiffli" bezeichnete Fahrbetriebsmittel: talseitig offener Barellenteil u. bergseitig geschlossener Kabinenteil mit Sitzbänken; pro Fahrzeug zwei Laufwerke; kurze Gehänge; recht windstabile Konstruktion; filigrane Stahlfachwerk-Portalstützen mit Ausstiegsplattformen; Automatikbetrieb
seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Herstellersehr hocherste u. einzige Anlage der Dallenwiler Firma Niederberger, die in den Kantonen NW u. UR zahlreiche Seilbahnen erstellt hat, die vier Zwischenstationen aufweist u. deren älteste Komponenten von 1953 stammen; repräsentativ für die sehr stabilen u. im Bereich Alperschliessung sehr zweckmässigen, "urtümlich" anmutenden "Schiffli-Bahnen" mit zwei Laufwerken u. kurzen Aufhängungen
Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten
Ingenieurbau--
ArchitekturdurchschnittlichBauwerke, in der Form landwirtschaftlicher Remisen; Zweckarchitektur, die sich formal an der lokalen Baulandschaft orientiert
besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialiendurchschnittlichauf Betonsockel Holzkonstruktion; Talstation: an Flussböschung u. parallel zur Strasse positioniert, Wände mit Zementfaserplattenverrandung, Quergiebel; Bergstation: Einwandung mit Holzschalung
bautypologische BedeutunghochStationsgebäude mehrheitlich aus der Umbauphase von 1984 stammend u. als feste (Schutz-)Komponenten der Anlage
Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung
Umfang und Qualität der ursprünglichen KomponentendurchschnittlichGrundkomponenten - Linienführung, ein Teil der Stützen, Kernsubstanz der Stationsbauten - von 1953
Qualität der Nachrüstungenhoch1984 Anpassung der Grundsubstanz unter Beibehaltung des Grundkonzepts von der ursprünglichen Herstellerfirma: Stützen u. neue Bergstation rund 20 m tiefer mit neuer Einfahrstütze; Antrieb, Bremswerk, Fahrzeuge, Steuerung u. Fernüberwachung
funktionale UnversehrtheitherausragendGrunderschliessung der Alp- u. Landwirtschaftsbetriebe
Kulturgeschichte
Personen, Firmen, InstitutionenhochSeilbahngenossenschaft Schattenhalb, gegründet 1946
Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militärsehr hochexistentielle Basiserschliessung für Alp- u. Landwirtschaftsbetriebe; Touristenbeförderung für Bahnunterhalt
Räumliche Situation
Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontextshochunterer Streckenteil durch Wald, Hauptteil über Weidland: einsehbar, aber da leichte u. filigrane Konstruktion unaufdringliche u. landschaftsschonende Anlage für Grunderschliessung
Infrastruktur
touristische/betriebliche InfrastrukturhochAusgangsposition Eggenbergli für Familienwanderungen u. hochalpine Touren
Verkehrsnetzehochbei Talstation an das lokale Strassennetz angebunden: ÖV Postauto Flüelen-Unterschächen; Parkplatz für motorisierten Individualverkehr

Anhang 1: Technische Daten

Strecke

Fotos
BetriebszweckTouristisch, Private / Betriebs Erschliessung
Streckenlänge (schief)1522 m
Höhendifferenz578 m
Längstes Seilfeld (schief)372 m
Grösster Bodenabstand40 m
Neigung Maximal; Mittelwert570 o/oo; 410 o/oo
Spurweite (auf Stützen)2700 mm
Anzahl Stationen6
Anzahl StützenFotos6
Stützenbautechnik; StützenformStahl Fachwerk; Portalstütze
Stützen Hersteller1953; NSD Niederberger

Hochbauten

Talstation Name; KonstruktionFotos1953; Witerschwanden; Holzbau, Massiv (Beton/Mauerwerk)
Zwischenstation NameFotos4 Zwischenstationen auf Stützen 2,3,4,5
Bergstation Name; KonstruktionFotos1953/1984; Eggenbergli; Holzbau

Seile

TragseiltypVollverschlossen
Tragseil Anzahl pro Spur; Durchmesser1; 20 mm
Zugseil Anzahl; Durchmesser1; 11 mm
Gegenseil Anzahl; Durchmesser1; 11 mm

Antrieb

Fotos
Antrieb Ortin Talstation
Motor HerstellerFotos1984; Relance
Antriebstyp; MotorleistungGleichstrom Ward Leonard WL; 14 kW
Getriebe HerstellerFotos1984; Flender
Notantrieb für RäumungHandantrieb, Durch Schwerkraft

Bremsen

BetriebsbremseFotos1984; Trommelbremse
SicherheitsbremseFotos1984; Trommelbremse
FangbremsenKeine Fangbremse

Mechanische Einrichtungen

Tragseil-SpannsystemFotosFeste Abspannung
Zugseil-SpannsystemFeste Abspannung

Elektrotechnische Einrichtungen

Steuerung HerstellerFotos1984; Frey AG
Kopierwerk1984; Mechanisch
Fernüberwachungsanlage Hersteller1984; Frey AG
FahrregimeHandsteuerung, Gesteuert im Kommandoraum, Vollautomatisch ohne Personal
Kommunikations SystemTelefon

Fahrbetriebsmittel

Fotos
Anzahl2
Plätze / Fahrzeug4
Nutzlast; Fahrbetriebsmittel Leergewicht400 kg; 400 kg
Kabinen Hersteller1984; Niederberger NSD
Kabinen Länge; Breite; Höhe2600 mm; 1050 mm; 1400/700 mm
Automatische Türennein
Gehänge Hersteller; GehängetypFotos1984; Niederberger NSD; Fachwerk, Rohr
Laufwerk HerstellerFotos1984; Niederberger NSD
ZugseilbefestigungFotosKeilendklemme

Förderleistung

Fahrgeschwindigkeit max.; Fahrzeit4 m/s; 7 Min.
Personenleistung32 Personen/h
Notwendiges Betriebspersonal0 Pers.

Anhang 2: Apparat

Archive
-IKSS Meiringen
Quellen
-Tony: 50 Jahre Jubiläum Seilbahn Witterschwanden / Eggenbergli, Typoskript 2003
-Regierungsrat des Kanton Uri: Auszug aus dem Protokoll vom 11. Januar 2005, Nr. 15 R-720-17 Personenseilbahn Witerschwanden-Eggenbergli, gemeinde Spiringen; Erneuerung der Betriebsbewilligung
Literatur
-Schrenk, Konrad: Luftseilbahnen zur Erschliessung von Landwirtschafts- und Alpgebieten, in: MONTAGNA Die Zeitschrift für das Berggebiet, 4/1998, p. 16-19
-Urner Seilbahnverband (Hg.): Urner Seilbahnführer. In der Höhe schweben, Altdorf 2006, p. 52
e-docs
-http://www.stahlseil.ch/gallery/main.php?g2_itemId=110980  
-http://www.diehirtin.ch/index.php?q=node/53  
-http://www.bergbahnen.org/forum/viewtopic.php?f=4&t=932  
-http://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=59&t=32583&start=0  

Anhang 3: Jahrzahlen der Komponenten

Jahre Graphik

Anhang 4: Relationen

HerstellerNiederberger NSDNSD Lift AG

Anhang 5: Bildauswahl

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