libhtm_comboxsqltab VS-NA-2 Rischinen - Massa, Naters, Pendelbahn
Ort, KantonNaters, VS
Koord. Talstation642.415/135.090 ; 1458 m.ü.M
Koord. Bergstation643.555/137.060 ; 1492 m.ü.M
EinstufungNational
Besuch24.06.2009 eb
Inventar23.11.2010 zk

BetreiberinEnAlpin AG, Visp
HerstellerKüpfer

Baujahr1961
Erstinbetriebsetzung1961
Umbauten-
Wesentliche Erneuerungen gemacht2011
Stütze, Kabine

Situation

Beschreibung der Anlage

Die Electra Massa S.A. wurde 1957 mit dem Kapital der Genfer Société Générale pour l'Industrie (SGI) gegründet. Nachdem sich die SGI 1963 aus der Electra Massa zurückgezogen hatte, schloss sich die Electra Massa mit der Grande-Dixence (EOS, Basel Stadt, BKW und NOK), der ATEL, der SBB und der Electricité Neuchâteloise S.A. (ENSA) sowie der WEG zu einer Partnergesellschaft zusammen. Die Electra Massa S.A. bezweckt die Nutzbarmachung der Massa – eines Flusses, der insbesondere aus dem Schmelzwasser des Aletschgletschers gespiesen wird. Die Wasserkonzessionen für die Massa werden von den Gemeinden Bitsch, Naters und Ried-Mörel erteilt. Ab 1964 wurde mit dem Bau des Kraftwerks begonnen: Das Kraftwerk Bitsch besteht aus dem 9.2 Mio. m3 fassenden Stausee Gebidem, einem Druckstollen und der 750 m weiter unten an der rechten Rhone-Seite situierten Zentrale Bitsch. Nach der Turbinierung fliesst das Wasser der Massa über einen Unterwasserkanal in die Rhone. 1969 wurde das Kraftwerk, das heute aus einem Kubikmeter Wasser 1.65 kWh erzeugt, dem Betrieb übergeben. Die produzierte Energie wird insbesondere als Pumpenenergie für die umliegenden Walliser Pumpwerke eingesetzt. 1961, noch vor dem Beginn der Ausführungsarbeiten der Staumauer und der übrigen Kraftwerksanlageteile, liess die Gesellschaft vom Steffisburger Seilbahnhersteller L. + P. Küpfer eine Seilbahn erstellen. Heute wird die Kraftwerksbahn von der EnAlpin AG, der geschäftsführenden Gesellschaft der Aletsch AG, betrieben. Sie wird für Zustandskontrollen und den Kraftwerksunterhalt benutzt und ist in dieser Funktion durchschnittlich einmal pro Woche im Einsatz.
Die Werksbahn, die auf der rechten Seite eine Fahrspur mit zwei Tragseilen für ein Fahrbetriebsmittel mit einer Nutzlast von 2 t und links eine Spur mit einem Förderseil (Gegenseil) für das Revisionsfahrzeug aufweist, führt ab dem auf 1'460 m ü. M. liegenden Weiler Rischinen oberhalb des Walliser Bergdorfes Blatten (Gemeinde Naters) auf die Anhöhe Holzji auf knapp 1'850 m ü. M. und von dort im Gegenfälle weiter zur Bergstation Massa auf 1'490 m ü. M. am Nordende des Stausees Gebidem. Die geradlinige, 2'430 m lange Linie wird mit nur vier geraden Stahl-Fachwerkstützen mit asymmetrischen Stützenköpfen und beidseits mit mehreren Zugseil-Zwischenaufhängungen bewältigt. Die Tragseile der im Pendelbetrieb verkehrenden Werksbahn sind in den Stationen fest abgespannt und die im Moment arretierte Gewichtsabspannung des Zugseils befindet sich in der Bergstation. Die Antriebseinheit mit dem auf den offenen Zahnkranz der Antriebsscheibe wirkenden Getriebe ist in der Talstation angeordnet. Auf den beiden Tragseilen fährt ein Laufwerk mit 2 x 8 Rollen, das über keine Fangbremse verfügt und an welchem ein Gehänge festgemacht ist, an das sowohl eine zehn Personen fassende Kabine als auch andere Lastentransportvorrichtungen eingehängt werden können. Der offene Revisionskorb wird jeweils für die Instandhaltung der Zwischenaufhängungen (Seilreiter) an das Gegenseil der Werksbahn geklemmt.
Die Seilbahnkomponenten der Pendelbahn sind in Bauwerken untergebracht. Die beiden sachlichen, klar geschnittenen Betonbauten sind ähnlich ausgebildet und aufgrund ihrer steilen, weit vorkragenden und die Fahrzeuge überdeckenden Pultdächer von weit her als Seilbahnstationsbauwerke identifizierbar.


Gesamtwürdigung

Die integral überlieferte Pendelbahn der Steffisburger Firma L. + P. Küpfer mit mittlerer Kabinengrösse gehört zu den ältesten erhaltenen Betriebsbahnen dieses auf Kraftwerksbahnen spezialisierten Seilbahnherstellers. In der Kombination mit der am Gegenseil beförderten Hilfsseilbahn stellt die Anlage zum einen ein einzigartiges Kuriosum dar, zum anderen ist die Küpfer'sche Pendelbahn mit ihren eindrücklichen mechanischen Komponenten (Hand- und Fussbremsen, Sicherheitsbremse auf Antriebsscheibe, Seil- und Kettenübertragungen zum Kommandoraum) ein exemplarisches Beispiel solider und ausgezeichneter Seilbahnmechanik. Dank der vergleichsweise niedrig geführten und mit nur vier Stützen ausgestatteten Fahrspuren fügt sich die Seilbahn gut in die eindrückliche Landschaft der Massa-Schlucht ein. Die Seilbahn ist nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil des Kraftwerks Bitsch.


Bewertung

Konzeption
Erschliessungsidee (Vision)sehr hochKraftwerksbahn; Anlage erstellt im Rahmen des Kraftwerkbaus, heute ausschliesslich für den Unterhalt der Kraftwerksanlage Bitsch (Stausee Gebidem) in Betrieb
Linienführung: Planung, Umsetzungsehr hochgerade Linienführung ab Zufahrtsstrasse (beim Weiler Rischinen oberhalb von Blatten) auf die Anhöhe Holzji auf knapp 1850 m ü. M. u. im Gegenfälle weiter zur Bergstation Massa auf 1490 m ü. M. am Nordende des die Massa stauenden Sees Gebidem; Linie mit vier Stützen
Seilbahntechnik
besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, MaterialienherausragendPendelbahn mit einer Spur à zwei Tragseilen für ein Fahrbetriebsmittel mit einer Nutzlast von 2 t (respektive einer Kabine für zehn Personen) u. mit einer Spur mit einem Tragseil für ein Revisionsfahrzeug; die weiten Seilfelder mit Zwischenaufhängungen (Seilreiter); lichte, gerade Fachwerkstützen mit asymmetrischen Stützenköpfen; feste Abspannung; hervorragende mechanische Einrichtungen: Hand- u. Fussbremsen, Sicherheitsbremse auf Antriebsscheibe mit Seil- u. Kettenübertragungen zum Kommandoraum; offener Revisionskorb unter anderem auch für die Instandstellung der Zwischenaufhängungen
seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Herstellerherausragendrecht frühe, integral erhaltene Pendelbahn mit mittlerer Kabinengrösse der auf Kraftwerksbahnen spezialisierten Steffisburger Seilbahnfirma Küpfer; exemplarische mechanische Einrichtungen ohne der heute vielfach anzutreffenden elektronisch u. hydraulisch betriebenen Nachrüstungen (Steuerung, Überwachung)
Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten
Ingenieurbau--
Architektursehr hochwohlproportionierte, volumetrisch u. funktional aufs Minimum reduzierte Bauwerke (Sachlichkeit)
besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, MaterialienhochBetonkonstruktionen mit Pultdach; bei Talstation: massive, vorgelagerte Umschlag- u. Zusteigeplattform; im Erdgeschoss bergseitig Kommandoraum; Garagenannex; bei Bergstation ebenfalls als Plattform ausgebildeter Sockel
bautypologische BedeutungherausragendStationsgebäude aus der Ursprungszeit; feste Anlageteile
Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung
Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponentenherausragenddie Seilbahnanlage stammt vollumfänglich aus der Erstellungszeit
Qualität der Nachrüstungenherausragendgut unterhalten u. aufgrund der spezifischen Nutzung ohne zusätzliche Ergänzungen u. Nachrüstungen
funktionale Unversehrtheitherausragendfür den Unterhalt des Kraftwerks Bitsch nach wie vor in Betrieb
Kulturgeschichte
Personen, Firmen, Institutionensehr hochSociété Générale pour l'Industrie SGI mit Sitz in Genf: Projektinitiantin u. -betreuerin sowie Kapitalgeberin für die Electra-Massa, gegründet 1957; Electra-Massa heute Teil der ALPIQ-Gruppe
Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militärsehr hochSeilbahnanlage ist Teil des eindrücklichen, einstufigen Wasserkraftwerks Bitsch; Wasserkraftwerk u. zugehörige Anlagen werden als touristische Attraktionen vermarktet; Wasserzinsen für die beteiligten Gemeinden Naters, Bitsch, Ried-Mörel; wirtschafts- u. technikgeschichtlich interessanter u. für für die Entwicklung des Rhonetals bedeutender Kontext (Nutzung des Wassers des Aletschgletschers durch LONZA AG, Kraftwerk Mörel)
Räumliche Situation
Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontextssehr hochda die Bahn nur wenige u. relativ niedrige respektive lichte Stützen aufweist, ist sie vergleichsweise unauffällig; in der spektakulären Landschaft des Aletschgletschers u. der Massa-Schlucht erstaunlich sorgfältig integrierte technische Einrichtung
Infrastruktur
touristische/betriebliche InfrastrukturhochWanderwege, Canyoning, Lehrpfad Kraftwerk Bitsch/Gebidem; Wassermessstation in der Massa-Schlucht
Verkehrsnetzehochgut ausgebaute Zufahrt für Fahrzeuge (Erschliessungsstrasse Rischinen) u. Parkmöglichkeit bei Talstation

Anhang 2: Apparat

Bundesinventare
-BLNObjekt-Nr.: 1706 Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn-Gebiet (südlicher Teil)
Archive
-IKSS Meiringen
Literatur
-Anonym: L'aménagement hydro-éléctrique d'Electra-Massa, in: Bulletin technique de la Suisse romande BTS, vol. 96 (1970), p. 361
-Anonym: Das Kraftwerk Bitsch der Electra-Massa, in: Schweizerische Bauzeitung SBZ, vol. 89 (1971), p. 87-90
-Electra-Massa S.A. Lausanne (Hrsg.): 50 Jahre Geschichte Electra-Massa, Lausanne 2007
-Electra-Massa; eosholding: Balades hydroélectriques, Gebidem, no. 5, Version vom 07.03.2010, URL: http://www.eos.ch/de/eos-liflet-anlage-gebidem-de.pdf
e-docs
-http://www.eos.ch/de/eos-liflet-anlage-gebidem-de.pdf  
-http://www.eos.ch/de/brochure_electra_massa_50ans_19_19_de_livre.pdf  

Anhang 3: Jahrzahlen der Komponenten

Jahre Graphik

Anhang 4: Relationen

HerstellerKüpferL. + P. Küpfer

Anhang 5: Bildauswahl

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