libhtm_comboxsqltab X012 Obermatt-Zingel, Obermatt, Pendelbahn
Ort, KantonObermatt, NW
Koord. Talstation671.130/188.290 ; 670 m.ü.M
Koord. Bergstation670.740/187.930 ; 1250 m.ü.M
EinstufungNational
Besuch22.07.2009 eb
Inventar23.11.2010 pb

Betreiberin
HerstellerNiederberger NSD

Baujahr1923
Erstinbetriebsetzung1923
Umbauten1931
Talstation

Situation

Beschreibung der Anlage

Von Obermatt (OW) im Engelbergertal erschliesst eine einfache Materialseilbahn die schwer zugängliche Alp Unter Zingel (NW) an der westlichen Talflanke.
Die zweispurige Zweiseilpendelbahn mit Wasserballastantrieb wurde 1923 von Remigi Niederberger aus Dallenwil erstellt. Die stützenlose Linie beginnt beim Ausgleichsbecken in Obermatt, dann überquert sie die Engelberger Aa und erreicht über das steile, bewaldete Gelände der Zingelfluh die Alp Unter Zingel.
Die schlichte Talstation enthält einzig ein Wellblechdach zum Schutz der mechanischen Teile und der Kabine. Die Bergstation befindet sich in einem einfachen bretterverschalten Schopf mit Blechdach. Bereits 1931 wurden die beiden Kabinen durch neue, von der Kollektivgesellschaft „Remigi Niederberger's Söhne“ erstellte Fahrzeuge ersetzt. Die eigentlich nur für den Materialtransport zugelassenen barellenartigen Fahrbetriebsmittel sind seitlich offen und mit einem gewölbten Blech überdeckt. Ein gut 200 Liter fassender Wassertank bildet die Rückwand der Fahrzeuge, die an beiden Stirnseiten über je ein kurzes Gehänge mit einem zweirolligen Laufwerk verfügen. Der mit Wasser gefüllte Tank der oberen Kabine zieht bei der Talfahrt die untere Kabine in die Höhe. Bei der Einfahrt der Kabine in die Talstation wird der Wassertank durch eine mechanische Vorrichtung zum Öffnen der Auslaufstutzen automatisch entleert.
Die Bremsvorrichtungen der Bahn stammen noch aus der Bauzeit. Die Betriebsbremse (Trommelbremse) wirkt auf das Seilrad in der Bergstation, während eine (jedoch nicht mehr funktionstüchtige) Feststellbremse zum Blockieren der Bahn während des Be- oder Entladens der Kabine direkt auf das Umlenkrad der Talstation einwirkt. Die Kommunikation zwischen den beiden Station erfolgt mittels Schlag aufs Tragseil. Die private Bahn wird zum Transport von Gepäck und Material zur Alp Unter Zingel verwendet.


Gesamtwürdigung

Die Bahn von Obermatt ist eine der ältesten und wohl auch eine der letzten erhaltenen Seilbahnanlagen, die nach dem Prinzip des Wasserballasts angetrieben wird (vgl. X021). Die beiden schlichten Kabinen stellen den Urtypus des sogenannten „Niederberger-Schiffli“ dar. Als einem eindrücklichen Zeugen aus der Frühphase der Seilbahntechnologie und der frühen Firmengeschichte der Unternehmung Niederberger in Dallenwil kommt der einfachen Anlage ein besonderer Wert zu. Das charakteristische Transportmittel ist für die Bewirtschaftung der schwer zugänglichen Alp Unter Zingel von erheblicher Bedeutung.


Bewertung

Konzeption
Erschliessungsidee (Vision)sehr hochErschliessung der Zingelflue, der schwer zugänglichen Talflanke westlich der Engelberger Aa; von der Obwaldner Seite auf die auf Nidwaldner Boden gelegene Zingelflue
Linienführung: Planung, Umsetzungsehr hochstützenlose Linienführung vom (heutigen) Ausgleichsbecken in Obermatt (OW) über das Tal der Engelberger Aa durch sehr steiles, bewaldetes Gebiet zum Rand der Flue, zur Alp Unter Zingel
Seilbahntechnik
besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, MaterialienherausragendWasserballastantrieb; Wassertank bildet Rückwand des seitlich offenen u. mit einem gewölbten Blech überdeckten, barellenartigen Fahrzeugs; zwei Laufwerke mit sehr kurzen Gehängen; Backenbremsen auf Seilrad in Bergstation; Kommunikation zwischen den beiden Stationen mittels Schlag auf Seil
seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Herstellerherausragendzweispurige Zweiseilpendelbahn mit Wasserballastantrieb; für die Bewirtschaftung von Alpen respektive schwer erreichbaren oder topografisch anspruchsvollen Gebieten von Remigi Niederberger in Dallenwil entwickelt; Urtypus des sogenannten "Niederberger-Schiffli"
Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten
Ingenieurbau--
Architektur-mechanische Teile bei der Talstation mit einem Wellblech überdeckt; Bergstation mit einer schopfartigen Schutzkonstruktion umhüllt
besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien--
bautypologische Bedeutung--
Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung
Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponentenherausragendbis auf Ersatz der Fahrzeuge nach knapp zehn Betriebsjahren vollumfänglich aus der ursprünglichen Erstellungszeit erhalten
Qualität der Nachrüstungenherausragend1931 Ersatz der Fahrzeuge
funktionale Unversehrtheitherausragendnach wie vor in Betrieb
Kulturgeschichte
Personen, Firmen, Institutionen--
Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militärsehr hochfür die Bewirtschaftung der Alp Unter Zingel von erheblicher Bedeutung (Transport von Heu, Nahrungsmittel, Material, ...); im Umkreis der historischen Wegverbindung Melchtal-Engelberg (Alp Zingel); charakteristisches Transportmittel, das die Bewirtschaftung von Alpen in schwer zugänglichem Gebiet erleichtert
Räumliche Situation
Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontextssehr hochda sehr rudimentäre Anlage kein wesentlicher Impakt auf die in diesem Bereich wenig von äusseren Eingriffen belasteten Landschaft westlich der Engelberger Aa; landschaftsschonende Alperschliessung
Infrastruktur
touristische/betriebliche InfrastrukturdurchschnittlichWanderwege
Verkehrsnetzehochim Engelbergertal Hauptstrasse nach Engelberg; Zentralbahnstation Obermatt (ZB Stansstad - Engelberg)

Anhang 1: Technische Daten

Strecke

BetriebszweckTouristisch, Private / Betriebs Erschliessung
Streckenlänge (schief)790 m
Höhendifferenz580 m
Längstes Seilfeld (schief)790 m
Grösster Bodenabstand200 m
Neigung Maximal; Mittelwert140 o/oo; 106 o/oo
Spurweite (auf Stützen)160 mm
Anzahl Stützen0

Hochbauten

Talstation Name; KonstruktionFotos1923; Obermatt; Holzbau, Stahlkonstruktion
Bergstation Name; Konstruktion1923; Zingel; Holzbau, Stahlkonstruktion

Seile

TragseiltypLitzenseil
Tragseil Anzahl pro Spur; Durchmesser1; 18 mm
Zugseil Anzahl; Durchmesser1; 11 mm
Gegenseil Anzahl; Durchmesser1; 11 mm

Antrieb

Antrieb Ortin Fahrzeug
AntriebstypWasserballast

Bremsen

BetriebsbremseFotos1923; Trommelbremse
SicherheitsbremseTrommelbremse

Mechanische Einrichtungen

Tragseil-SpannsystemFotosFeste Abspannung
Zugseil-SpannsystemFeste Abspannung

Elektrotechnische Einrichtungen

FahrregimeHandsteuerung
Kommunikations SystemTelefon, Mechanisch

Fahrbetriebsmittel

Fotos
Anzahl2
Plätze / Fahrzeug0
Nutzlast; Fahrbetriebsmittel Leergewicht100 kg; 80 kg
Kabinen Hersteller1931; Niederberger NSD
Kabinen Länge; Breite; Höhe2200 mm; 950 mm; 60/180 mm
Automatische Türennein
Gehänge Hersteller; GehängetypNiederberger NSD; Fachwerk
Laufwerk HerstellerFotos1931; Niederberger NSD
ZugseilbefestigungFotosSeilklemmen

Förderleistung

Anhang 2: Apparat

Archive
-IKSS Meiringen
Literatur
-Flüeler-Martinez, Josef: Wandern im Land der Seilbahnen, Luzern: Maihof-Verlag, 1995, p. 70-72
e-docs
-http://www.youtube.com/watch?v=L81YEeP1qZw&feature=player_embedded  

Anhang 3: Jahrzahlen der Komponenten

Jahre Graphik

Anhang 4: Relationen

HerstellerNiederberger NSDNSD Lift AG

Anhang 5: Bildauswahl

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CIMG4332.JPG CIMG4455.JPG CIMG4339.JPG
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